Mittwoch’s ist stets Wochenmarkt

Mittwoch ist stets Wochenmarkt,
und natürlich Samstags auch,
denn das ist seit Jahren schon
hier in diesem Stadtteil Brauch.

Es gibt Quark und frische Butter,
Nudeln, Käse, Wurstsalat,
Vogel-, Katzen-, Hundefutter,
Kohlrabi, Gurken und Spinat.

Küchenschürzen, Filzpantoffeln,
Blusen, Socken, Pudelmützen,
Blumentöpfe, Frühkartoffeln.
Tischdecken mit Baumwollspitzen.

Ledergürtel, Einkaufstaschen,
Nachthemden, Gesundheitstee,
frische Eier, Wiener Würstchen
und Kissen für das Kanapee.

Frisches Obst gibt es bei Berta
gleich am Stand ganz vorne an,
Gemüse, Kräuter alle Sorten,
die man sich nur denken kann.

Und natürlich Vitamine.
Frische Früchte, Mandarinen
sucht man aus mit Kennermiene.
Äpfel, Pflaumen, Apfelsinen,

Birnen, Kirschen und Bananen,
Trauben, Beeren und Melonen.
Darauf kann man sich verlassen;
es wird die Gesundheit schonen.

Und das wird dann zum Erlebnis,
wie die Berta schnell addiert.
immer stimmt auch das Ergebnis.
Ein Irrtum ist noch nie passiert.

Erwähnte man das Wörtchen PISA,
davon hat sie noch nie gehört.
Zu ihrer Zeit „ da jab et sowat nich“,
da ist sie auch sofort empört.

„Wir haben sowat allerdings jelernt.
Kopfrechnen hieß det. Dafür jab‘s Zensur.“
Ooch Schönschrift ha’m wa stets jeübt,
Jedicht auswendich lernen. Allet nur,

um det Jedächtnis ordentlich zu stärken.
Watte jelernt hast, das verjißte nich,
und fällt dir leicht, sich wat zu merken.
Wat so’n Jehirn sich merkt, das glaubste nich!“

Ja Berta! wird schon wieder werden!
Vielleicht ist alles nur vorübergehend.
Auf einmal kommt uns die Erleuchtung!
Vertrauensvoll in die Zukunft sehend…

und so weiter…“Die Birnen heute delikat,
und Ananas für Obstsalat…!“

04.07.2014 Lewi

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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