Fuchs und Rabe

Der Rabe sollt‘ ein Liedchen singen,
doch wollt’s ihm nicht so recht gelingen.
Na, auch egal, er bei sich dachte
und sich daraus halt gar nichts machte.
Der ganze Wald voll muntrer Sänger,
deshalb probierte er nicht länger.

Ein Frühlingsfest gab‘s heut im Wald,
so daß es schon seit Stunden schallt.
Es zwitschert, tiriliert und pfeift.
So mancher längst die Flucht ergreift,
denn weithin ist der Krach zu hören.
Das kann ja wirklich etwas stören.

Der Fuchs hält sich die Ohren zu.
„Gibt es hier heute keine Ruh?“
Der alte Rabe, klug und weise
schaut interessiert herum im Kreise,
wo sehr vergnügt und unbeschwert
man feiert, wie es sich gehört.

„Ach Reineke, sie sind erfreut.
Es gibt ne Frühlingsfete heut.
Doch morgen kann‘s schon anderes sein.
Laß sie sich ihres Lebens freu‘n.
Laß sie den Augenblick genießen.
Wer weiß, was sie noch leiden müssen.“

„Jetzt unke nicht mit fiesen Dingen,
die uns nur um die Ruhe bringen.“
Der Fuchs nun wedelt mit dem Schwanz
und bittet gleich um einen Tanz.
Und ohne zieren und Gehabe
tanzen beide, Fuchs und Rabe.

Die Quintessenz ist ja von allen:
Man soll die Feste feiern wie sie fallen.
Oft wendet sich das Blättchen über Nacht,
da hat man wenigstens noch einen Draufgemacht.
Drum macht euch heut‘ noch keine Sorgen:
tanzt weiter fröhlich in den Morgen.

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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