Ein Gast ist immer gern geseh’n…

„Menschenskind“ sagt Rolf, „seit Wochen
konnt‘ ich nicht mehr richtig kochen.
Für mich allein, ach, glaub mit das,
macht es ja wirklich keinen Spaß!“

„Ja, das kann ich gut verstehen,
mir würd‘s wohl ebenso ergehen.
Denn ständig Speisen in Lokalen
kann man leider nicht bezahlen!“

„Freund, du bist ja zu beneiden!
Der Glücklichere von uns beiden.
Frauen, hört man, reissen sich
und kochen gerne was für dich.“

„Ob das so gut ist, ist jedoch die Frage.
Ein Glück, sie kochen ja nicht alle Tage.
Meistens hoffen sie auch noch im Stillen,
ich könnt‘ so manchen Wusch erfüllen.“

Bernd hackt inwzischen Petersilie.
“Ich war ja letztens bei Ottilie,
(alleinstehend und deshalb ohne Mann).
Sie hatte Kummer, denn er ging nicht an,

der Kühlschrank. Sommer ist es, es ist heiß –
schnell taut das Schnitzel und das Eis.
Bald konnte ich den Schaden reparieren.
Dann wollte sie mich unbedingt verführen!“

„Jawohl, das kenne ich“ sagt Rolf darauf.
„Mir lauern sie ja auch schon öfters auf,
weil hilflos sie zumeist nicht weiter wissen
und ein gestandner Mann wird helfen müssen.“

„Ich habe Hunger, ist schon fertig der Salat?
Was gibt‘s, was ich noch nicht gekostet hab?“
„Nun lenk nicht ab und decke schon Tisch.
Jetzt essen wir zunächst mal unseren Fisch!

Wir sind ja heute nicht so sehr in Eile;
da quatschen wir vielleicht noch eine Weile.
Dann spielen noch ein paar Schachpartien.
Das zieht sich sicher bis zum Morgen hin.°

„Hast du genügend Bier im Haus?
Lang‘ schon den Aschenbecherr raus!“
„Schädlich ist‘s für‘n Gummibaum und Palmen,
wenn wir andauernd Zigaretten qualmen.“

„Weit du was“ sagt Rolf, „seit Wochen
wollt ich nicht mehr richtig kochen.
Ich hätte die Rezepte fast vergessen.
Komm doch öfter mal zum Essen!“

„Nun ja, darüber läßt sich‘s reden –
Schach spiel ich ja nicht mit jedem.
Ich komm‘ vorbei alle paar Wochen,
da können wir uns ja was kochen!“

„Dann bleiben wir ganz lange wach
und spielen Schach, Schach, Schach….!“

Ach!

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Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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