Die Hummel

Am heißen Sommernachmittag
sucht man den Schatten unter Bäumen.
Ein zarter Windhauch fächelt Duft
aus tausend Blütenträumen.
Und ringsumher ist eine Stille,
weil alles nun ein Weichen ruht.
Nichts möchte sich jetzt noch bewegen;
erst, wenn vorüber ist die Glut.

In diese Stille kommt mit ständigem Gebrummel,
am Klee zu naschen, angeflogen eine Hummel.
Sie läßt sich schwer auf seine Blüten nieder,
dann fliegt sie weiter und kehrt nochmals wieder.
Und saugt, und fliegt, und fliegt und saugt
mit ständigem Gebrummel.
Das macht sie, wie sie’s machen muß,
denn sie ist eine Hummel.

Den Klee mag sie besonders gern,
drum kehrt sie immer wieder um.
Dann brummelt sie so vor sich hin,
da fragt man sich: warum?
Die Hummel, diese dicke, tolle
ist ne Biene ja mit Wolle.
(Jedenfalls ne Bienenart,
die besonders dicht behaart.)

Man müßte faul und müde einen Blick riskieren
aufs Hinterteil. Die Hummel würd’ es ja nicht spüren.
Steinhummeln haben nämlich einen roten Po.
Warum, das weiß man nicht. Es ist halt so.
Die Erdhummeln jedoch, die haben einen weißen.
Das mahnt zur Vorsicht, müssen sie mal sitzen.
Die Hummeln fliegen rum und brummeln.
Sie können uns auch nicht beschummeln.

Wollten sie Bienen sein, die Dummen,
dann müßten sie natürlich summen.
Trifft man Leute, schaut man ihnen ins Gesicht.
Bei den Hummeln aber geht es leider nicht.
Man muß die andre Seite näher sich betrachten.
Der Mensch würd’ diese Haltung allerdings verachten.
Man will doch wissen, wen man vor sich hat.
Nicht jeder ist ein unbeschriebenes Blatt.

Da denk ich mir und schmunzel leise:
es ist wohl eine Frage der Betrachtungsweise.

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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