Sensatiuonen – Sensationen

Hinterm Rathaus auf der Wiese
sah man viele Wagen steh’n.
Freude macht es, den Artisten
bei der Arbeit zuzuseh‘n.

Manchmal brüllt sogar ein Löwe
und es brummelt mal ein Bär.
Und es laufen paar Artisten
zwischen allem hin und her.

Eine hübsche junge Dame
lässig auf‘nem Hocker sitzt,
der aus einem kleinen Korb
‘ne Banane sich stibitzt

Murks, ein Affe, klein und flink.
Er lernt willig und sehr schnell
und reagiert auf jeden Wink.
Und mit freudigem Gebell

springt ein Pudel um die beiden.
Ausgelassen alle drei.
können sich wohl sehr gut leiden.
Beim üben eilt die Zeit vorbei.

Zebras, Strauße, zwei Kamele,
ein paar Ponys auch dabei;
und wenn ich es richtig zähle
sind es braune, alle drei.

Josua, der sehr erfahren,
heißt der große Elefant,
der vor einer Reihe Jahren
im Zirkus eine Heimat fand.

Oft ist Sehnsucht nach zuhause
ihn schon heftig überkommen.
Doch nach läng‘rer Denkerpause
hatte Abstand er genommen.

Josua weint heiße Tränen,
denn die Kartenlegerin
konnte beiläufig erwähnen:
bald kommt in dein Leben Sinn,

weil aus ziemlich weiter Ferne
zwei dich suchen, die dich lieben
und sie haben dich sehr gern,
d‘rum sind sie nicht daheim geblieben

und Hindernisse überwinden.
Sehr mutig sind sie und gewitzt.
Die werden dich schon sehr bald finden,
denn sie sind aus dem Zoo geflitzt..

Die Kartenlegerin Marietta
verkauft Programme, Eintrittskarten.
Saß jedenfalls bei jedem Wetter
um Zuschauer nun zu erwarten

in einem kleinen bunten Häuschen.
Ihr Gatte war der Herr Direktor.
Kam niemand, machte sie ein Päuschen
und sprach zu ihm: „Ach lieber Hektor,

Ein hartes Brot ist‘s, was wir essen.
Wer weiß wie alles enden wird.
Noch ha‘m die Tiere ja zu fressen.
Es lebt der Mensch, so lang er irrt!

Am Sonntag morgen konnt‘ man seh‘n,
daß heimlich in der dunklen Nacht
zwei Elefanten in der Gegend steh‘n;
die hat die Polizei hier her gebracht.

Die Mutter stuppste ihren Sohn
und raunte: „Theo schlaf nicht ein.
In ein par Stunden werden wir
bestimmt bei deinem Opa sein!“

Das gab ein freudig Wiedersehen,
Umrüssselung, Elefantenküsse,
man hatte lang sich nicht gesehn.
Und aus der Heimat viele Grüße.

Und Theodor lernt eifrig, viel und gut,
denn das Zirkusleben liegt nun mal im Blut.
Die Besucher spenden gerne für das Futter.
Und die sanfte Elefantenmutter

trägt geduldig jeden Tag und stumm
die Besucherkinder in der Pause rum.
Der Zirkus wird sehr gern besucht in dieser Stadt,
der ausser den drei Ponny‘s auch drei Elefanten hat.

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
Dieser Beitrag wurde unter Berlin, Gedichte, Geschichten, Kurzgeschichten, Lyrik, Prosa, Unterhaltung abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s