Der Reigen

Der Winter ging nach langer Zeit,
und endlich war es nun so weit,
daß der Frühling angekommen.
Man hat ein Sonnenbad genommen,

genießt rundum das junge Grün
und freut sich: die Kastanien blüh‘n.
Die Spatzen zwitschern unentwegt.
Die sind ja richtig aufgeregt.

Weit öffnet nun das Fenster die Stefani-e
und blickt total entzückt auf die Akazi-e.
Unruhig ist jedoch der Gärtner Paul.
Den Winter über war er ziemlich faul.

Nun gibt es Arbeit, kann man sehen.
Jetzt muß man erst mal Rasen mähen.
Er mähte gerade rum um die Kastani-e
und dachte dabei auch an die Melani-e.

Die Beule war nicht ganz verschwunden,
und in so manchen dunklen Stunden
dacht er bei sich: mich nervt Stefani-e.
Hätt‘ ich mal lieber doch mit der Melani-e….

Der Gärtner Jan die Blumen pflegte
und auch Jasmin und Flieder hegte.
Er sah‘hinauf zum Fenster die Stefani-e,
dann trat er lachend unter die Akazi-e.

Das sah die Nachbarin, Frau Engelmann.
„Oho, da spinnt sich doch bereits was an“
bemerkt sie von Balkon nun zu Balkon:
„Frau Krauß, da hören wir bestimmt noch von!“

„Mit ihrem Fahrrad, ziemlich flott,
trifft man seit Tagen Lieselott.
In die Pedale tritt sie schneller,
sieht sie den Klaus, den Briefzusteller.

Ganz im Vertrau‘n, Frau Engelmann:
da spinnt sich sicher auch was an!“
„Und haben Sie gesehen, Frau Krauß,
der Rentner Schmidt verläßt das Haus

meist gegen Drei, manchmal auch später.
Er führt spazier‘n dann seinen Köter
und trifft sich regelmäßig: denken Sie,
mit der Frau Penk. Man weiß ja nie,

ob die sich etwas näher kennen.
Vielleicht, ob die zusammen…..
die Runden dreh‘n mit ihren Hunden
bis in die späten Abendstunden.“
Die Frühlingsluft verwirrt den Geist,
da ist‘s egal, wie man nun heißt.
S‘ ist auch egal, ob Alt, ob Jung.
Man startet nun mit neuem Schwung,

Noch lang ist mild die Abendluft;
durchtränkt von zartem Blütenduft.
Im Vorgarten vom Stammlokal
sitzt mancher Gast. Und öfter mal

kommt der Kellner, bringt ein Bier.
Man bleibt bestimmt noch länger hier.
Der Paul blickt ganz verliebt auf Melanie,
und Jan ist hingerissen von der Stefanie.

Auch die Liselotte und der Klaus
gehen jetzt noch nicht nach Haus.
Nur Frau Penk und Rentner Schmidt
nehmen nun die Hunde mit;

müssen noch mal „Gassi“ gehen.
Danach wird man weiter sehen.
Der Tag ist wirklich schön gewesen.
Man könnt‘ noch Kreuzworträtsel lösen.

Nach den Krimi schaut Frau Krauß
nun erst mal nach dem Wetter aus.
Frau Engelmann lehnt am Geländer.
Sie nahm die Wäsche grad‘ vom Ständer.

„Frau Nachbarin, s‘ bleibt weiter schön.
Im Dunkeln kann man gar nicht sehn,
wann die endlich nachhause kommen!
‘Ne Schlaftablette hab‘ ich schon genommen.

Nun aber ab ins Bett, es ist schon spät.
Wer weiß, wie das nun alles weiter geht.
In voller Blütenpracht stehen die Bäume
Der Nachtwind fächelt schöne Träume.

Nun schlaft schön….

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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