Der Fluch der guten Tat

Unter dichtem Blätterdach
und im Schatten vieler Bäume
steht ein schön gedeckter Tisch.
Die Erfüllung mancher Träume,
Erinnerung aus Urlaubstagen
wird erhofft nun und ersehnt.
Daß die südländische Küche
mit Auserlesenem uns verwöhnt.

Die Erwartung zu verkürzen
gibt es ein Getränk, schön kalt;
und ein Körbchen voller Weißbrot
bringt der Ober dann auch bald.
Dies ruft ein paar munt’re Spatzen
augenblicklich auf den Plan,
die aus all den dichten Blättern
auch die Weißbrotscheiben sah’n.

Diese kleinen frechen Biester
landen ständig auf dem Teller.
Selbst, wenn man auch noch so schnell ist,
diese Spatzen sind noch schneller.
Nun ist alles aufgegessen
und kein Krümel mehr vorhanden.
Die, die bisher so verfressen,
Zuflucht in den Bäumen fanden.

Der Salat wird nun serviert
und dazu noch leckre Sachen,
die man zaghaft erst probiert
und die Appetit nun machen.
Begeistert ist man augenblicklich.
Freut sich auf das gute Mahl.
Ja, die Augen strahlen glücklich.
Aber dann: in großer Zahl

schwirren jetzt von Baum zu Baum,
wie in einem Horrortraum,
nun zu unserem größten Schreck
die Vögel übern Tisch hinweg.
Und der größte Schreck von allen:
ständig lassen sie was fallen !!!
Es schwirrt und zirpt, man kann nicht essen!
Und der Kellner steht indessen

in der Tür und grinst voll Hohn.
Man ärgert sich: der kennt das schon.
Serviette auf den Tisch geschmissen!
Haare, Arme – zugeschissen
und dann ins Lokal geflüchtet
und sich wieder hergerichtet.
Drinnen einen Tisch besetzt,
so daß man auch wirklich jetzt

in den nächsten beiden Stunden
endlich den Genuß gefunden,
den man von all dem sich erhofft.
Gelegenheit kommt nicht so oft.
Es ist passiert. Was soll man machen.
Jetzt kann man darüber lachen.
Denk dir mal, mein liebes Schätzchen:
zu Berlin gehör’n auch Spätzchen

(und immer gleich so viele)

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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