Sei kein Frosch

so’n blöder Spruch, ich bin doch einer,
zwar nur ein grüner, n’ ziemlich kleiner.
Ich quake, ich halt nur die Klappe
wenn ich mal nach Fliegen schnappe.

Schon von weitem hört man’s gleich,
kommt man mal an einen Teich
wo Frösche musizieren, geben ein Konzert.
Noch kaum hat jemand sich beschwert.

Niemand fand bisher, daß es ihn stört,
das allerseits bekannte Froschkonzert.
Der Storch kann sich dann einen Frosch stibitzen,
er hört ja, wo die ganzen Frösche sitzen.

Quakt einer falsch, dann ist es gleich um ihn geschehen.
Drum: quakst du falsch, laß dich dann bloß nicht sehen.
Der Storch hält dich im Schnabel und fliegt weg.
Dann hast du Angst. Bis einfach starr vor Schreck.

Die Storchenkinder hocken noch im Nest.
Sie haben nämlich Hunger. Das gibt dir den Rest.
Wenn dir dein Leben lieb ist, quake gut versteckt,
daß keiner, der noch Hunger hat, dich irgendwo entdeckt.

Vielleicht bist du ja auch sogar ein grüner Prinz,
nicht einfach irgendwer wie Kunz und Hinz.
Hast unerkannt dich unter das gemeine Volk gemischt.
Ach, lieber Frosch, zuweilen nutzt dir so was nischt.
Der Storch hat augenblicklich andre Sorgen,
denn er muß alle Tage, heute und auch morgen

die ganze hungrige Storchenbande verpflegen,
bis die soweit, selbstständig Frösche zu erlegen.
Egal, ob im Orchester du Musik machst oder als Solist,
das nützt dir nichts, weil du halt bist was du nun bist.
Du bist ein Frosch. Der Storch fängt eben Frösche.
Gell, da guckst du dämlich aus der Wäsche.

Die Kunst, zu überleben eben darin liegt
dich zu verbergen, damit man dich nicht kriegt.
Immer muß einer den anderen besiegen.
Frösche fangen eben Fliegen…

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
Dieser Beitrag wurde unter Gedichte abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s