Ganz durch Zufall

Ganz durch Zufall hatte kürzlich ich erfahren:
die Welt besteht bereits seit vielen tausend Jahren.
Zumindest schon so lange, wie dort Menschen wohnen.
Ansonsten dreht sie sich im Weltall ja seit Jahrmillionen.

Da hat‘s mich doch verwundert kurz mal eben,
denn befristet in der Regel ist ein Menschenleben,
daß jede Generation, die etwas auf sich hält,
zunächst mal kämpft für eine bessere Welt.

Es gibt auch Gegenden, da ist die Welt schon besser,
da kommen wieder Andere und wetzen ihre Messer,
und kämpfen tapfer für Gleichheit und Gerechtigkeit.
Soweit kommt‘s aber nicht; es reichte nicht die Zeit.

Schon treten neue tapfere Kämpfer auf den Plan.
Man lebt doch vorzugsweise, daß man kämpfen kann.
Man kämpft, gibt es nichts besseres, im schlimmsten Falle
für ein sehr lobenswertes Ziel: Wohlstand für alle.

Man hat gekämpft. Tatsächlich stellte sich auch etwas ein,
was wohlwollend betrachtet könnte Wohlstand sein.
Das ruft bereits die nächsten Kämpfer zu den Waffen.
Man darf nicht Wohlstand ohne Unterschiede schaffen.

Wie sähe denn die Welt jetzt aus, wenn alle wären gleich,
das war ja auch nie vorgeseh‘n. Ein paar sind eben reich.
Da gibt es dann auch herben Neid und Ungerechtigkeiten.
Für eine bessere Welt muß man schon wieder streiten.

die Welt ist groß, schreit lauthals nach Verbesserung.
Für hohe Ziele kämpft man mit besonderem Schwung.
Im Augenblick ist es schon wieder mal so weit:
man kämpft nun also jetzt für die so-zi – a – le Gerechtigkeit.

ich befürchte, für die kommenden Generationen
werden sich Kämpfe kaum noch wirklich lohnen.
Wir haben doch schon alles für sie erledigt. Geschaffen.
Sie brauchen keinen Ruf: „Auf zu den Waffen!“

Unbegründet sind wahrscheinlich diese Sorgen.
Was vorgestern und gestern war, das wird wohl morgen
und übermorgen ganz bestimmt genau so sein.
Die Nächsten richten sich ihr Leben selber ein.

Sie kämpfen dann mit ihren eigenen Waffen,
gerechten Wohlstand für alle zu schaffen.

Für Bildung und bessere Schulen
für Gleichbehandlung der Schwulen
für preiswerte Medikamente
für eine ausreichende Rente
für kostenlosen Nahverkehr
und noch vieles andere mehr.

Und dann wird es auch wieder Zeit

für Gleichheit und Gerechtigkeit
für Maulkorb- und auch Leinenzwang
für kontrollierten Bierausschank
für Gleichberechtigung von Frau und Mann
für Einheitspreise bei der Bundesbahn

Für eine bessere Welt natürlich auch.
Das ist in Zeitabständen immer wieder Brauch.
Die Welt ist gut. Das alles ist ihr sicher ganz egal.
Der Mensch verbessert ständig. Er hat ja nun die Wahl,

sich in der Welt jetzt einzurichten nach Belieben.
Wie er das anstellt, habe ich ja nun beschrieben.
Vielleicht sollte er doch mal

gegen Gleichgültigkeit
Bosheit
Rücksichtslosigkeit
Gemeinheit
Hinterhältigkeit
Maßlosigkeit
Dummheit

????? ginge doch auch, oder?

Berlin, den 28.09.2009/Lewi

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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