Die Drei

(Die Zwei warten noch………)

Am Tisch am Fenster sitzen zwei
und warten. Sonst sind’s drei –
doch einer ist noch nicht gekommen.
(Hat er den falschen Bus genommen)?

Die Tür geht auf. S’ kommt jemand rein.
Man denkt, es könnt’ der Dritte sein.
Jedoch, der Dritte ist es nicht,
der hat ein anderes Gesicht.

Die Zwei bestellen sich ein Alt,
und der Ober bringt’s auch bald;
dann fällt das Warten nicht so schwer.
Doch schon sind die Gläser leer,

und der Dritte fehlt noch immer.
Ach, der Durst wird immer schlimmer.
Ständig öffnet sich die Türe.
Mal komm’ zwei, mal kommen viere,

nur der Dritte kommt noch nicht.
So ein ungetreuer Wicht.
Und die Zwei in ihrem Zorn
ordern Molle nun mit Korn.

„Wo er nur bleibt?“ fragt irritiert
man sich. „Ist was passiert?“
Er weiß genau, daß wir hier warten.
Wir spielen hier doch immer Karten.

„Herr Ober, noch zwei große Bier!“
(Wir sitzen ja noch ewig hier,
da müssen wir auch was verzehren,
sonst könnt’ der Wirt sich noch beschweren).

Die Zwei beschließen selbstvergessen:
jetzt müssen wir was Gutes essen.
„Denk nicht viel nach, nur keine Faxen.
Wir essen jetzt zwei schöne Haxen!“

Gesagt, getan – dazu paar Biere.
Es sind zwar zwei, doch seh’n sie viere,
und zur Verdauung noch ’nen Klaren.
(Wir wer’n ma bald nachhause fahren)!

Die Zweie sind schon reichlich breit,
und im Nu vergeht die Zeit.
Sie haben’s übel aufgenommen,
der dritte Mann ist nicht gekommen.

Die Rechnung wird nun präsentiert,
und der Wirt, ganz ungerührt
sagt: „Gute Nacht dann mal bis morgen.
Machen Sie sich keine Sorgen.

Ihr Tisch ist Mittwoch’s frei wie immer,
ist reserviert in unserem Hinterzimmer.
Da können Sie in Ruhe Karten spielen
und nach der Bedienung schielen.“

„Nanu“ sagt Nummer zwei zu eins,
„wir warten hier auf den Karl-Heinz,
doch heut’ ist Dienstag, wird mir klar.“
Was ja nun ein Reinfall war.

Aber: Viel getrunken, gut gegessen,
die Zeit gemütlich abgesessen.
Halb so schlimm. Jetzt ab nach Haus.
“Jetzt schlafen wir erst richtig aus.“

Oft kommt’s anders als gedacht.
Gute Nacht!

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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