Das Glück ist glitschig wie ein Fisch

Das Glück ist glitschig wie ein Fisch.
du denkst, du könntest es wohl halten;
du hoffst, du kannst mit seiner Hilfe
das Leben dir nach Maß gestalten.

Du meinst, es ließ sich bei dir nieder
und steht getreulich dir zur Seite.
Das ist ein Irrtum, denn treu ist es nicht.
Dann stehst du einsam da mit dieser Pleite.

Es glitscht davon, kaum, daß man‘s faßte,
daß kurz man es in seinen Händen hielt.
Es täuscht bereits schon mal den nächsten,
der hoffnungsvoll nach ihm geschielt.

Es kommt ja vor, doch nicht sehr häufig,
daß es sich niederließ für eine Weile.
Doch wiege dich nur nicht in Sicherheit.
Es tut nur so, als hätt‘ es keine Eile.

Das Glück kann man nicht an sich binden.
Es irrt umher. So ruhelos, mal da – mal hier.
Man schaut fortwährend nach ihm aus
und hofft, es stünde plötzlich vor der Tür.

So geht darüber hin so manches Jahr.
mit Warten auf das Glück vergeht die Zeit.
Und trotzdem lebte man doch wunderbar
im sanften Schoße der Zufriedenheit.

Das Glück ist glitschig wie ein Fisch;
flutsch – kaum war‘s da, schon ist es fort.
Vielleicht besaß man es für ein paar Stunden,
dann ist es bald an einem anderen Ort.

Behüte die Zufriedenheit, sie ist ein Schatz.
Andauernd kann das Glück dir ja nicht winken.
Denn wie man weiß, nach ‘ner gewissen Zeit
fängt auch der edelste der Fische an zu stinken.

LEWI

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
Dieser Beitrag wurde unter Berlin, Gedichte, Geschichten, Kurzgeschichten, Prosa, Unterhaltung abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s