Affentheater (Der Herr Hans-Joachim Krause)

(Eine gereimte Geschichte)

Der Herr Hans-Joachim Krause
macht erst mal ‘ne kurze Pause.
Er ißt ein Hörnchen und trinkt Kaffee.
Der Fall ist heikel, denn ein Affe
war ausgebüxt beim Zirkus PRINCE.
Der gastierte grad’ in der Provinz.

Sein Fehlen ist ja schlichtweg unerklärlich.
Wo sollte er denn hin, seien Sie mal ehrlich!
Schon wieder witterte der Obermüller
für Seite Eins den absoluten Oberknüller.
Na egal, dachte sich Kollege Krause.
Heute will ich pünktlich mal nachhause.

Hans-Joachim prüfte nun, ob seine Mütze
an der gewohnten Stelle auf dem Kopfe sitze,
dann stieg er in sein Auto, fuhr auf’s Land,
wo auf einer grünen Wiese Zirkus PRINCE stand.
Zwei Vorstellungen pro Tag und Samstags drei.
Eine Vorstellung war heute schon vorbei.

Sie endete mit viel Applaus und einem Schreck:
Der Lieblingsaffe Schorsch verschwunden. Weg!
Na, so etwas kann ja schon mal passieren.
Sorgfältig erst die Hintergründe recherchieren,
bevor man übereilt verkehrte Schlüsse zieht.
Denn so ein Affe hat ja schließlich auch Gemüt.

Frau Direktor war verzweifelt, nah den Tränen.
Sie tat den Schorsch schon in Gefahren wähnen,
die ihn zu Verzweiflungstaten schließlich trieben.
„Er hatte es doch gut bei uns. Ein jeder tat ihn lieben!“
Nun, was ein Affe denkt und fühlt, wer weiß?
Vielleicht genau genommen ja den gleichen Scheiß

wie wir in solchen Fallen. Er ist einfach abgehauen.
Mag sein, er sehnte sich nach anderen Frauen.
Und Hans-Joachim denkt: Mich laust der Affe!
Ich trank doch keinen Alkohol, nur schwarzen Kaffee.
Der Kaffee, der war süß und schwarz und bitter.
Was sehen meine Augen: da kommt ja der Klawitter!

„Sie auch schon hier vor Ort, Sie Zeitungsfritze,
mit ihrer exklusiven Kopfbedeckung, dieser Mütze?“
„Nun geben Sie nicht an, mein Freund. Ihre Frisur
besteht zum größten Teil doch nur noch aus Tonsur!“
Sie frozzeln gerne öfter sich mal gegenseitig an.
Was die Eintracht doch nur selten stören kann.

„Das ist ja wirklich komisch. Aber gleich die Polizei?
Ist vielleicht ein Häkchen bei der Sache noch dabei?
Was war denn das für’n Affe und was tat er?
War es ein Mensch, verkleidet, spielte nur Theater?
Was mußte denn der Schorsch in der Manege machen?
Nur Klamauk, damit die Leute auch darüber lachen?“

Klawitter ist gut ausgeruht, in höchstem Maße motiviert.
Jetzt werden erst mal alle Zirkusleute einzeln vorgeführt,
befragt: wann haben Sie den Affen denn zuletzt gesehen.
Ist ähnliches vielleicht bereits schon mal geschehen?
Darf sich der Affe überall hier denn so frei bewegen?
Das könnte sicher doch auch öfter Ärgernis erregen?

Der Hans-Joachim überläßt Klawitter seiner Pflicht.
Vielleicht kommt ja in die Angelegenheit bald Licht.
Er schlendert durch’s Gelände. Schaut und schaut.
Sieht den Artisten etwas zu. Ich hätt’ mich nie getraut,
mir die Glieder in alle Richtungen so zu verrenken.
Also nee, diesen Beruf, den könnte man mir schenken.

Paar kleine Jungen üben, jonglieren mit den Keulen.
Das geht schon prima. Der Kleinste, der muß heulen.
„Warum? Hast du sie fallen lassen? fragt ihn Krause.
Der schüttelt nur den Kopf. „Der Schorsch ist nicht zuhause.
Der ist verschwunden. Wenn ihm nun was passiert?
Vielleicht haben böse Leute ihn sogar entführt?“

„Sei nicht traurig“ sagt Ha-Jo freundlich zu dem Kleinen,
„ich werde ihn schon finden. Nun hör mal auf zu weinen.“
„Wo könnte er denn sein. Da kommen Sie nie drauf.“
„Da hab’ mal keine Sorge; ich hab’ die Denkermütze auf!“
(Die wird mir nicht viel nützen, denkt Ha-jo so bei sich.
Wo soll ich denn nen Affen finden. Das ist ganz neu für mich)!

Also, weiter recherchieren, Fragen stellen, wann und wo
er denn wurd’ zuletzt geseh’n. War er auch schon mal im Zoo?
Meine Güte, ein Theater. Frau Direktor aus dem Häuschen.
Ich setze mich ins Gras und mache erst ein Denkerpäuschen.
Er ruft nun nach dem Jungen: „Du, Kleiner, komm mal her,
vielleicht kannst du mir helfen, das hoffe ich ja sehr.

Was tat der Schorsch in der Manege? Tat er’s gern?
Wir suchen sozusagen beide jetzt des Pudels Kern.
War er verkleidet? Mit Affen macht man solche Sachen.
Die Leute finden das besonders dann zum Lachen.
Der Schorsch war ganz bestimmt besonders klug.
Über kluge Affen gibt’s Geschichten ja genug.“

„Der Schorschi ist ein schlauer Affe. Wieso war?
Das ist der klügste Affe, das ist uns allen klar.
Was der alles kann und was der alles macht.
Jeder hat ihn gerne und über ihn gelacht!“
„Na ja“ sagt Hajo und reibt seine unrasierte Wange.
„Weg ist der Affe schon verhältnismäßig lange.

Was macht ein Affe, ist er mal frei und losgelassen.
Geht ins Lokal, und erst mal „Hoch die Tassen?“
„Na, das wäre ja zu ulkig. Also wirklich, Mann!
Der hat doch noch seine Gala-Kleidung an!“
Hans-Joachim ist nun in Gedanken tief versunken.
Ist so ein Affe denn auch ab und zu betrunken?

Klawitter winkt von weitem: „Kommen Sie mal her.
Das ist ja alles sonderbar, Es ist auch schwer,
von diesen Leuten irgend etwas zu erfahren.
Die wollen offensichtlich alle ihren Atem sparen.
Weg ist der Affe – Schorsch ist weg, weg, weg!
Mich ruft man auch für jedem Dreck, Dreck, Dreck!“

„Ach, sehen Sie’s mit Abstand. Unterdessen
suchen wir uns ein Lokal und gehen etwas essen.“
„Ja, das ist gut. Dann werden wir an Bier und laben,
solange, bis wir beide einen Affen haben.
Und wenn der Schorsch uns dann gefunden hat,
dann spielen wir zu Dritt ne Weile Skat!“

„Haben Sie getrunken?“ fragt der Ha-Jo, lacht,
weil Klawitter selten nur mal Scherze macht.
„Dieser Tag war wirklich etwas sonderbar,“
sagt mit düstrer Miene der Herr Kommissar.
„Ich leite erst mal ein, was alles einzuleiten ist.
Jedenfalls – es ist ein riesengroßer Mist!

Na, der ist heut’ noch weniger als sonst in Form.
Und sein Durst ist kaum zu stillen. Ganz enorm,
die Mengen, die er einfach so vertragen kann.
„Ich hau ab! Ade! Wir sehen uns die Tage, Mann!“
Und Hajo fährt erst mal entspannt nachhause
zur Haselmaus in seine vielgeliebte Klause.

Siedend heiß fällt ihm nun ein: du liebe Güte,
Besuch war heute angesagt. Daß Gott behüte,
es wäre ihm beinahe ganz und gar entfallen.
Die allerbeste Schwiegermutter ja von allen
kommt heute an mit dem Nachmittagszug.
Da bleibt ihm aber doch noch Zeit genug,

ein paar Blumen für die Dame zu besorgen.
(Die werden sich ja halten wohl bis morgen).
Auf dem Bahnsteig wartet schon die Haselmaus
und schaut nach ihrem Mustergatten aus.
„Wo bleibst du denn so lange!!! fragt genervt
sie, und der Tonfall ist schon leicht verschärft.

Der Zug fährt ein, die Schwiegermutter naht,
die zur Begrüßung nicht recht Zeit gefunden hat,
denn außer sich erhebt sie nunmehr Klage:
was muß man sich gefallen lassen heutzutage!
Ja, hilflos ausgeliefert! Kein Schaffner ließ sich seh’n.
„Mein Kind, ich kann die Welt nicht mehr verstehn!“

„Was ist passiert, liebste Mama? Wer tat dir was?
was tat er dir? War’s ernst gemeint oder nur Spaß?
Bist du verletzt, wurde irgend etwas dir gestohlen?
Wenn ja, dann müssen wir die Polizei doch holen.
Hat Jemand etwa dich beleidigt, dich brüskiert,
vorwitzig eine kesse Lippe obendrein riskiert?“

„Ach, frage nicht! Der Herr war wirklich sehr galant
und reichte aufmerksam und hilfreich mir die Hand,
als ich mich setzen wollte. Ohne aufstehen zu müssen
hat er meinen Koffer ins Gepäcknetz reingeschmissen.
Beeindruckt war ich auch von seiner Uniform.
Er hatte leider ziemlich krumme Beine, ganz enorm.

Auf einmal fing er aber ständig an zu essen.
Du hast ja sicherlich auch nicht vergessen,
daß ich es überhaupt nicht leiden kann,
fängt einer im Abteil mit seiner Mahlzeit an.
Er aß Bananen. In einer ziemlich großen Tasche
hatte er ne ganze Menge, und auch eine Flasche.

Und immer wieder gab er mir dann etwas ab,
obwohl ich es ihm drei Mal zu verstehen gab,
daß ich keine Bananen essen will. Wirklich keine.
„Zum Donnerwetter, essen Sie sie doch alleine!“
Dann hat beim letzten Halt er das Abteil verlassen.
Ein Benehmen ist das! Einfach nicht zu fassen!

Es war aber bestimmt ein ziemlich alter Mann.
Ich sah mir ja doch immer seine Hände an
wenn er unbedingt mit mir sein Essen teilen wollte.
Er ignorierte völlig, daß ich ihm ernsthaft grollte.
Dunkel und haarig waren alle seine Finger.
Beinah wie Affenpfoten, diese krummen Dinger.“

Die Haselmaus nun tröstete zunächst Mama,
doch schließlich war sie ja nun erst mal da
und wäre ein paar Tage nun zu Gast bei Krause.
Die hatten doch ein sehr gemütliches Zuhause.
Der Ha-Jo sagt: „ Ich muß noch in die Redaktion“
Pikiert sagt seine Gattin: „Ja, das wußt’ ich schon!

Dann sei bitte pünktlich wieder hier zum Essen!
Und stell dir vor, Mama hat ihre Brille ganz vergessen.
Gleich morgen müssen wir für sie dann eine kaufen.
Wenn sie nichts sieht, kann sie sich leicht verlaufen.
Jetzt eile dich, wir haben schließlich einen Gast,
den du ja auch schon eine Weile nicht gesehen hast.“

Er hat‘s ja im Gefühl, der gute alte Obermüller.
Das, was der Ha-Jo da erzählt, das ist ein Knüller.
Da müssen wir Klawitter deshalb nun nicht stören.
Der wird halt morgen von der ganzen Sache hören.
Beziehungsweise kann er’s lesen. Im „Abendblatt“,
das immer Platz auf Seite eine für Sensationen hat.

Die Polizei weiß auch Bescheid, und auch die Bahn,
der Zirkus PRINCE ist informiert; doch endlich dann
eilt Ha-Jo heim zur Gattin und zur Schwiegermutter.
Die Leser sind zunächst versorgt mit reichlich Futter.
Der Schorsch ist hoffentlich recht bald gefunden.
Sonst irrt er noch herum für ein paar Stunden.

„Das war ein Tag“ stöhnt Ha-Jo nach dem Essen.
„Den wird man sicher nicht so schnell vergessen!
Nun, Schwiegermama, noch ein Gläschen Wein?
Trink nur, dann schläfst du schnell und besser ein.
Nach dieser Aufregung, da brauchst du deine Ruh.
Ich aber auch. Mir fallen schon die Augen zu.“

LEWI

I

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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