Die verschwundene Wirtin

(Eine gereimte Geschichte)

Der Herr Hans-Joachim Krause
machte gerade eine Pause.
Er war erschöpft, fühlte sich matt.
Wenn man noch nicht geschlafen hat,
weil allzuviel passiert, geschehen
(man hat bisher ja noch kein Land gesehen),
dann kam ein Leerlauf. So wie in diesem Falle.
Der arme Kerl war hungrig, müde, fix und alle.

Nun saß erwartungsvoll er im „Tiroler Stübchen“.
Die Wirtin hatte zwei sehr hübsche Grübchen,
und brachte ihm ein Bier und auch die Speisekarte.
Sehr dicht bei ihm blieb sie nun stehen und harrte
auf die Bestellung in Bezug auf seinen Appetit.
Sie zückte gleich den Griffel und schrieb mit.
„Mann, du hast ja Hunger wie ein junger Bär!
Ein starker Mann! Ja, das gefällt mir sehr.“

Hans-Joachim hob erstaunt die rechte Augenbraue,
ob er Augen und den Ohren wirklich noch vertraue.
„Na Mädel, dann beeil dich, bring’ mir was zu essen,
ich habe lange Zeit kein Menschenfleisch gefressen!“
Dann rollt’ er mit den Augen, ließ ein Knurren hören.
Die Wirtin ließ davon sich nicht ein bißchen stören.
„Ich werde dich verwöhnen, werde dich versorgen.
Es sind noch viele Stunden bis zum frühen Morgen!“

Der Ha-Jo war nicht gerade eine ängstliche Natur.
Verstohlen blicke er auf seine wasserfeste Armbanduhr.
„ Ich habe keine Lust auf unvorhergesehene Abenteuer.
Ich bin ein liebevoller Ehemann, sogar ein treuer“.
Dann ließ er sich nun das Bestellte bestens schmecken,
nahm sich ein Zimmer, sagte: „ Sechs Uhr dreißig wecken.“
Er war todmüde, stöhnte leise noch: Au weia.
Dann plumpste übermüdet er nun endlich in die Heia!

Er hatte gut und fest geschlafen, viele Stunden,
und die Erholung, dringend nötig, auch gefunden.
Es war noch früh, was ihm dezent verraten hat
von seiner Uhr, matt leuchtend, nun das Zifferblatt.
Im Stiegenhause hörte man jetzt ein Rumoren.
„Nanu, hab’ ich denn etwas an den Ohren?“
Es war auf jeden Fall knapp nach dreiviertel Viere,
da bummerte es heftig an die Zimmertüre.

„Sofort öffnen! Öffnen Sie! Hier spricht die Polizei!
Ein bißchen hurtig bitte, ich zähle jetzt bis drei!“
Ehe sich der Hans-Joachim aus dem Bett gequält,
hatte die Polizei bereits auch schon bis drei gezählt.
Er war gerade bei der Türe angekommen,
als die Polizei den Anlauf hat genommen
um in das Zimmer mit vereinter Kraft zu stürmen.
Sie hatten sicher Angst, der Hajo könnte türmen.

Durch den Anlauf nun mit ungebremster Kraft,
hat die Polizei es aber leider nicht geschafft,
den Lauf zu stoppen. Und nun fielen, ach wie nett,
zwei Ordnungshüter ganz erstaunt in Hans-Joachims Bett.
Respekt einflößend und mit ernster Miene
betrat Klawitter eindrucksvoll nunmehr die Bühne.
„Nanu, Herr Kommissar, ich bin ja wirklich platt.
Hätten Sie vielleicht ne Story für unser „Abendblatt?“

„Was machen Sie denn hier, mein lieber Krause?
Um diese Zeit, sollte man denken, sind Sie doch zuhause!“
Es stellte sich heraus. wie Kommissar Klawitter sagte,
als Krause nach dem Grund des Überfalles fragte,
daß man die Wirtin, Annerose, konnte mehrmals sehen
gestern Abend längere Zeit und oft bei ihm halt stehen.
Man deutete nun dies als den Beginn, nicht wahr,
von einem Techtelmechtel. Is doch logisch, klar?

Jedoch war Annerose nun seit Stunden nicht zu sehen.
Sie war verschwunden. Niemand konnte es verstehen.
Im „Tiroler Stübchen“ waren die Gäste lange schon
gegangen. Wie eben man so sagt: Auf und davon!
Und keine Wirtin weit und breit war nun zu sehen,
das konnte Alois, das Hausfaktotum, nicht verstehen.
Man dachte ja nun nicht, der Hans-Joachim hätte…
normalerweise gehört man ja um diese Zeit ins Bette…

Jedoch war er der Letzte sozusagen, der sie sah…
Jetzt isse weg! Daß man ihn fragt, das ist doch klar…
„Das ist schon klar, Klawitter“ sagt darauf nun Krause,
dann denkt er traurig an sein warmes Bett zuhause.

„Kein Grund“ sagt Krause, „mitten in der Nacht wie wild
hier reinzuplatzen. Wie immer, sind Sie nicht im Bild!“

„Die Polizei ist überlastet, glauben Sie das, Krause.
Ich wäre lieber auch bei einer Frau zuhause!“
Bei ihrer Plauderei hatten die Zwei nun unterdessen
mit Absicht oder aus Versehen ganz vergessen,
die beiden Ordnungshüter aus Krauses Bett zu jagen.
Die schliefen wie zwei Engel, kann man wirklich sagen.
Die waren mitgekommen, den Kommissar zu unterstützen.
Wenn es gefährlich wurde, konnten sie ihn schützen
.
„Na Krause“ fragte nun Klawitter, „fällt Ihnen etwas ein?
Wo könnt’ die Frau abhanden nun gekommen sein?
Im Heizungskeller war sie nicht, auch nicht auf der Toilette.
Sie lag, auch nicht zu zweien, in ihrem eignen Bette.
Sie war nicht auf dem Boden, nicht in der Wäschekammer.
Und prominente Gäste zur Zeit ja keine ham ma!“
„Ja ja“ sagt Krause, „das ist wirklich eigenartig. Mysteriös!
Ich möchte erst mal einen Kaffee, sonst werde ich nervös!“

Beim Zimmerservice hatten sie sich nun für teures Geld
gleich viermal gut und reichlich Frühstück erst bestellt.
Das dauerte! Es war ja noch sehr früh am Morgen.
Die mußten wohl die frischen Brötchen erst besorgen.
Und Kaffee kochen. Das dauert wirklich ewig, meine Güte!
Mahlen die von Hand? Den gibt’s gemahlen in der Tüte!
Die Polizisten hatten auch schon ausgeschlafen
und merkten, daß sie bitterböse Blicke trafen.

Dann klopft es endlich an der Tür. Auf einem riesigen Tablett
wird Frühstück nun serviert, reichhaltig und komplett.
Ein kleiner weißer Zettel liegt noch neben einer Tasse.
Den fand man morgens früh! Am Boden! Bei der Kasse!
Der Wind hat ihn wohl dahin geblasen.
Man hat ihn einfach liegen lassen.
Kein Verlaß auf’s Personal.
Nicht mehr wie früher! Das war einmal!

Na gut. Mal lesen. Wer hat ihn geschrieben?
Wo ist denn die Wirtin, Annerose, geblieben?
„Ich muß schnell weg. Ich hole meine Mutter.
Gebt dem Hund und auch der Katze bitte Futter.
Der Zug kommt, niemand weiß noch, ob und wann..
so ist das heutzutage bei der Eisenbahn…
Kommt Mutter an, dann gehen wir ins Hotel.
Bis wir zuhause sind, ist’s längst schon hell.“

„Na, das ist ja gediegen“ sagt ärgerlich Klawitter
und seine Stimme klingt sogar ein wenig bitter.
„Da haut sie einfach ab so mitten in der Nacht.
Wie hat sie dieses denn so schnell vollbracht!
Ich kann im Kopf das alles nicht mehr einsortieren.
Am besten wird es sein, ich lasse mich bald pensionieren!“
„Sie sagten doch, der Wagen war zur Inspektion!
Wahrscheinlich war er ja inzwischen fertig schon.

Dann hat ein Gast sie sicher mitgenommen,
da ist sie rechtzeitig zum Bahnhof noch gekommen.
Und heute, sozusagen dann am Tage
holt sie ihr Auto ab: ganz ohne Frage.
Da läd sie dann die Mutter und den Koffer ein.
Bei Tageslicht wird sie bestimmt wieder zuhause sein.“
„Mensch Krause“ sagt Klawitter. „Alle Achtung!“
>Nun ja! Ich leide nicht an geistiger Umnachtung <.

„Das gibt ne Story, für’n Leser und für’n Redakteur.
Ich motz das bißchen auf, dann gibt’s was her.
Dann fahr ich aber heim zu meiner Haselmaus.
Ich bin totmüde. Nie schlaf ich mich richtig aus!“
„Sie, lieber Krause, kehren heim in Ihren Hafen.
Wer will schon einen Polizisten. Ich muß alleine schlafen!“
„Klawitter, fangen Sie nicht an jetzt noch zu wimmern.
Ich werde diesbezüglich mich darum mal kümmern.

Die Renate, die gute Seele unserer Redaktion,
schwärmt voll Begeisterung von tollen Detektiven schon.
Ich werde ihr von Ihnen mal etwas erzählen;
wie Sie sich mit den Kapitalverbrechern quälen….“
„Sie sind ein Schweinehund, mein lieber Krause –
wir machen bei Gelegenheit mal eine Sause……!“

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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