SeIn Fahrzeug hat man ihm gestohlen

Der Herr Hans-Joachim Krause
wollte pünktlich heut nachhause.
Aber, wie’s so ist im Leben:
meistens geht etwas daneben.
Sein Wagen, parkend vor der Türe,
(er stand noch da, so um halb Viere)
war zur Zeit nicht mehr vorhanden.
Na, bis sie den wohl wieder fanden,
da ginge noch ’ne Menge Zeit ins Land.
Darum lag es nun dringend auf der Hand,
die Gattin rechtzeitig zu unterrichten.
Wenn nicht – sie würde ihn vernichten,

mit Worten, die nur Frauen sind geläufig.
Das kommt ja vor. Nicht allzu häufig,
jedoch empfand er dies als Schmach;
und dann gab es zuhause Krach!
So rief er an: „Ach, meine kleine Haselmaus,
ich komm’ wer weiß wann, heut’ nachhaus!
Stell dir nur vor, was mir passiert’:
Mein Fahrzeug hat man mir entführt!“
„So etwas kann ja auch nur dir passieren!
Mich wer’n sie eines Tages auch entführen.
Wärst du Beamter, kämst du rechtzeitig nachhaus.
Dann sähe unsre Ehe etwas anders aus!!!“

Diese Vorstellung traf ihn nun bis ins Mark.
Er war REPORTER! Seine Nerven waren stark,
das konnte mehrfach er ja schon erproben.
Sein Chef tat dieses auch besonders loben.
Jedoch bei Frauen -! Und dann auch noch seine-!
Manchmal ist’s besser, man lebt ganz alleine.
Die –Haselmaus- konnt’ sich ins Fäustchen lachen:
Geliebter Hajo, ich kann alles mit dir machen!
(Man sollte darauf nicht so unbedingt vertrauen.
Es gibt noch reichlich liebestolle Frauen.
Die kennen nix! Die angeln sich den Mann!
Dann hast du keinen Hajo, und was dann)?

Die Polizei hat sich ’nen Überblick verschafft,
schrieb alles auf, akribisch und gewissenhaft.
Baujahr, Farbe und so weiter, und so fort
welches Fabrikat, Modell. An welchem Ort,
an welchem Platz genau hat es gestanden.
Aha! Dort kam dieses Fahrzeug nun abhanden.
Geantwortet nun hatte Krause ganz gewissenhaft,
war von den Ereignissen des Tages auch geschafft
und lud Kollege Engelmann zum Imbiß ein.
Er wollte jetzt nicht unbedingt alleine sein.

Kurt Engelmann war einer von den Netten,
wie ihn gerne viele Leute als Kollegen hätten.
Da konnte Krause erst mal bißchen Dampf ablassen,
denn der Vorfall war ja wirklich schwer zu fassen.
Sein Wagen stand nachmittags um halb Viere
gut eingeparkt vor dem Verlag, fast vor der Türe.
Kein Luxuswagen, bißchen älter, das war richtig,
trotzdem fuhr er gut und schnell, das war ja wichtig.
Wer hatte die geliebte Mühle nur gestohlen!
Den würd’ er wirklich gerne jetzt versohlen!
Na, ist egal. Jetzt erst mal Würstchen und ein Bier.
Wir bleiben ja bestimmt noch eine Weile hier.

Inzwischen leerte sich auch bald die Redaktion,
und nach und nach dann kamen die Kollegen schon
zu Krause an den Tisch; teils, um ihn zu bedauern,
teils, mit ihm um sein Prachtstück nun zu trauern.
Auf einmal hatte jeder fast ein ähnliches Erlebnis,
und meistens tragisch endend ohne ein Ergebnis.
Es war unglaublich, was am hellen Tag geschah:
das Auto ist gestohlen – ist einfach nicht mehr da!
Auf diesen Schreck in der Nachmittagsstunde
spendiert Joachim Krause den Kollegen eine Runde.
Von Rührung ganz ergriffen, sagt Kollege Engelmann:
jetzt bin ich aber auch mal mit ’ner Runde dran.

Und der Kollege Weinhold konnte auch erzählen,
daß ihn noch heut’ manchmal Gewissensbisse quälen,
weil er sich lieh’ ein Auto, seine Schwester abzuholen.
„Tja, Jungs, ich will euch wirklich nicht verkohlen,
doch sind wir dann nachhaus gefahren mit der Bahn.
Wir kamen hier gesund, doch ohne Auto wieder an.“
„Haha“ meint die Kollegin Leni Wedelmeier dann:
„jetzt bin ich aber auch mal mit ner Lage dran!“
„Hoho“ schallt es begeistert aus der Herrenrunde.
„Ein Versprechen aus so schönem Damenmunde!“
Es vergehen ein paar Stunden und die Zeit verstreicht.
Krause sieht mal nach, ob auch sein Geld noch reicht.

Zeit zum Aufbruch. „Ich muß heim in meine Klause.
War doch ganz nett auch, mal so eine kleine Sause.
Der Anlaß war zwar nicht besonders schön –
doch irgendwann muß man nachhause gehen.
Frau Wedelmeier greift noch einmal in die Schüssel
mit den Nüssen, klappert munter mit dem Schlüssel,
und grüßt noch einmal nun mit vollem Munde
zum Abschied die verbliebene Tafelrunde.
Sie greift noch einmal zu, tief in die Schüssel,
und klappert wieder mit dem Autoschlüssel.
„Ich habe einen, und einen hat mein Mann.
Wir streiten ja auch manchmal, aber dann

sagt er doch immer gnädig – nimm den Wagen.
Ich kann ja meine Aktentasche tragen -.“
„Leni, du hast einen guten Mann. Gute Nacht!“
Dann werden schon die Lampen ausgemacht
und jedermann begibt sich auf den Weg nachhause.
Krause macht sehr nachdenklich noch eine Pause.
Und freundlich fragt ihn noch Kurt Engelmann,
ob er ihm irgendwie noch etwas helfen kann.
„Nein nein“ sagt Krause , und ist schwer versunken
tief in Gedanken, aber nun nicht mehr betrunken.
Denn nun weiß er, seine Hoffnung ist nicht unbegründet,
wo er nächtens noch bestimmt sein Auto findet.

„Sie ist da am Nachmittag vorbei gekommen!
Sie hat’s es ganz einfach weggenommen!
Sie ließ mich ganz einfach schmoren!
Sie hat’s faustdick hinter den Ohren!
Auf meine Kosten macht sie lustig sich!
Na, warte mal, ich räche mich!“
Froh, daß er nun seinen Wagen wieder fand,
der gut geparkt an einer Straßenecke stand,
verschwand er mit demselben in die Nacht,
die er woanders heute zugebracht.
Als Reporter kennt man so manchen Hafen,
da kann man hin und wieder auch mal schlafen.

Herr Hans-Joachim Krause rief sodann
am nächsten Morgen seine Gattin an.
„Mein Haselmäuschen, mach dir keine Sorgen.
Ich weiß nicht, komm’ ich heute oder morgen.
Ich bin Reporter, immer auf der Spur, nicht wahr.
Und mir passieren Dinge, die sind sonderbar.
Es gibt Dinge, die mich schrecklich quälen.
Wenn ich mal Zeit hab’, werd’ ich’s dir erzählen!“.
Nun ja, Frau Krause weinte bittre Tränen
am Telefon. „Wir müssen uns versöhnen,
komm doch heim, ich hab’s nicht bös’ gemeint.
Ein Viertelstündchen hat sie noch geweint.

Der Herr Hans-Joachim Krause
fuhr tatsächlich nun nachhause.
In ihrem tief empfundenen Schmerz,
(der Anblick brach ihm fast das Herz)
nahm er die Gattin tröstend in den Arm.
Und deren Herz wurd’ wieder warm,
das ja vor Kummer schon beinah zerbrach.
Da wurde sie in seinen Armen schwach.
„Ich habe mir dabei doch nichts gedacht.
Ich glaubte nur, ich hätte einen Spaß gemacht!“

Auch wenn man gar nichts weiß,
eines weiß man wirklich ganz genau,
völlig unverständlich für den Mann
ist die Logik einer Frau.

LEWI
19. 11. 2009

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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