Alltägliches

Einstmals ist ein Kamel gewesen,
das konnt‘ nicht schreiben und nicht lesen.
Jedoch schritt schnurstracks es nach Süden,
bracht‘ sicher zu den Pyramiden
so manchen wack‘ren Reitersmann.
Der kam am Ziel durchrüttelt an.

Dort tat es (das Kamel) erst mal Wasser trinken.
Man sagt ja, daß Kamele stinken,
und das empfand es als gemein
und ging zunächst ins Wasser rein.
Am Ufer von dem blauen (grünen ?) Nil,
da döste manch ein Krökodil

gelangweilt in den Tag hinein.
Eintönig kann das Leben sein.
Nur immer Wasser, Sonne, Sand.
da wehrt sich einfach der Verstand.
Natürlich nur, sofern vorhanden.
Dann konnte man am Ufer landen

und hoffen auf ein paar Touristen,
die Abwechslung versprechen müßten.
Für das Kamel war es ein Glück:
sein Reiter wollte bald zurück.
Der konnte schreiben und auch lesen,
war in Ägypten halt gewesen

und schrieb ‘ne Karte, steckt sie ein:
„Bald werd‘ ich wieder bei dir sein.
Ich sende Grüße dir, du meine Seele.
Hier gibt es Krokodile und Kamele.
Hier gibt es Pyramiden, Nil und Sand,
Es ist ein wunderbares Land!“

Den Fall darf man nicht wichtig nehmen:
denn ein Kamel muß sich nicht schämen,
wenn es nicht schreiben und nicht lesen kann.
Bei den Touristen käm‘s nicht so gut an.
Bei denen wär` das peinlich, meiner Seel‘,
da sagt ja schnell mal einer; „Du Kamel!“

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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