Unerfüllte Wünsche

Ach lieber Kurt, laß reisen uns nach Spanien.
ich hör‘ so gern das klappern von Kastanien.“
„Mein liebes Kind, das sind die Kastagnetten!“
„Da irrst du dich mein Lieber, woll‘n wir wetten?“

„Ich streite nicht. Pack ein jetzt deine Sachen;
wir woll‘n doch eine Urlaubsreise machen!“
„Ich eile mich doch schon. Ich gebe mir ja Mühe.
Wo die Toreros tapfer kämpfen mit de Kühe,

da wollt‘ ich ja schon immer gerne hin, Olé Olé,
weil ich sonst so was immer nur im Kino seh‘!“
„Mein Kind, denk nach – und endlich mal kapiere,
man kämpft nicht mit der Kuh. Die wilden Stiere

sind sehr gefährlich. Reizt man sie dann bis aufs Blut,
dann seh‘n sie rot, sind voller Zorn und voller Wut.
Dann darf so ein Torero also keine Fehler machen,
sonst hat er ja am Ende gar nichts mehr zu lachen.“

„Pyramidon laß uns stattdessen dann besuchen,
ich säh‘ so gerne mal Kamele und Eunuchen.“
„Mir reicht‘s. Ich fahr‘ mit dir jetzt nach Berlin.
Wo die Verrückten sind, da fahr‘ ich mit dir hin.

Da lade dann an einer Ecke ich dich einfach aus.
Da kannst du warten, denn ich fahr‘ allein nachhaus.“
„Ach lieber Kurt, sei bitte doch nicht so gemein.
Dann fahr nach Irgendwo. Ich werde schweigsam sein!“

Erschöpft denkt Kurt genervt daran:
Gold wert die Frau, die schweigen kann.

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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