Na nu mal los, faule Bande

Die Heinzelmännchen zu Köln
( Von August Kopisch )

Wie war zu Köln es doch vordem
mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn, war man faul, man legte sich
hin auf die Bank und pflegte sich.
Da kamen bei Nacht,
eh‘ man‘s gedacht,
die Männlein und schwärmten
und klappten und lärmten,
und lupften und zupften,
und hüpften und trabten
und putzten und schabten.
Und eh‘ ein Faulpelz noch erwacht,
war all sein Tagewerk bereits gemacht.

Die Zimmerleute streckten sich
hin auf die Span und reckten sich.
Indessen kam die Geisterschar
und sah, was da zu zimmern war.
Nahm Meißel und Beil
und die Säg‘ in Eil;
und sägten und stachen
und hieben und brachen,
berappten und kappten,
visierten wie Falken
und setzten die Balken.
Eh‘ sich‘s der Zimmermann versah –
klapp, stand das ganze Haus schon fertig da!

Beim Bäckermeister war nicht Not.
Die Heinzelmännchen backten Brot.
Die faulen Burschen legten sich –
die Heinzelmännchen regten sich
und ächzten daher mit den Säcken schwer.
Und kneteten tüchtig
und wogen richtig.
Und hoben und schoben,
und fegten und backten,
und klopften und hackten.
Die Burschen schnarchten noch im Chor:
da rückte schon das Brot, das neue, vor!

Beim Fleischer ging es just so zu:
Gesell und Bursche lag in Ruh‘.
Indessen kamen die Männlein her
und hackten das Schwein die Kreuz und Quer.
Das ging so geschwind
wie die Mühl‘ im Wind!
Die klappten mit Beilen,
die schnitzten an Speilen.
Die spülten, die wühlten,
und mengten und mischten,
und stopften und wischten.
Tat der Gesell‘ die Augen auf:
Wupp! Hing die Wurst da schon im Ausverkauf!

Beim Schenken war es so: es trank
der Küfer bis er niedersank.
Am hohlen Fasse schlief er ein.
Die Männlein sorgten um den Wein
und schwefelten fein alle Fässer ein.
Und rollten und hoben
und schwenkten und senkten,
und gossen und pantschten,
und mengten und manschten.
Und eh‘ der Küfer noch erwacht.
war schon der Wein geschönt und fein gemacht!

Einst hatt‘ ein Schneider große Pein:
der Staatsrock sollte fertig sein;
warf hin das Zeug und legte sich
hin auf das Ohr und pflegte sich.
Da schlüpften sie frisch
in den Schneidertisch.
Da schnitten und rückten
und nähten und stickten
und paßten, und faßten,
und strichen und guckten
und zupften und ruckten.
Und eh‘ mein Schneiderlein erwacht,
war Bürgermeister‘d Rock bereits gemacht!

Neugierig esr des Schneiders Weib
und macht sich diesen Zeitvertreib:
streut Erbsen hin die andre Nacht.
Die Heinzelmännchen kommen sacht:
eins fähret nun aus, schlägt hin im Haus.
Die gleiten von Stufen
und plumpen in Kufen,
die fallen und schallen,
die lärmen und schreien
und vermaledeien!
Sie springt hinunter auf den Schall
mit Licht: husch husch husch husch –
verschwinden all!

Oh weh! Nun sind sie alle fort,
und keines ist mehr hier am Ort.
Man kann nicht mehr wie sonsten ruh‘n –
man muß nun alles selber tun.
Ein jeder muß fein selbst fleißig sein.
Und kratzen und schaben
und rennen und traben,
und schniegeln und bügeln,
und klopfen und hacken,
und kochen und backen.
Ach, daß es noch wie damals wär!
Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her!

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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