Aus dem Schartkästchen

Am Brunnen vor dem Tore

Am Brunnen vor dem Tore,
da steht ein Lindenbaum.
Ich träumt in seinem Schatten
so manchen süßen Traum.
Ich schnitt in seine Rinde
so manches liebe Wort.
Es zog in Freud‘ und Leide
zu ihm mich immer fort.

Ich mußt auch heute wandern
vorbei in tiefer Nacht.
Da hab‘ ich noch im Dunkel
die Augen zugemacht.
Und seine Zweige rauschten
als riefen sie mir zu:
„Komm her zu mir Geselle,
hier find‘st du deine Ruh!“

Die kalten Winde bliesen
mir grad‘ ins Angesicht.
Der Hut föog mir vom Kopfe,
ich wendete mich nicht.
Nun bin ich manche Stunde
entfernt von diesem Ort,
und immer hör‘ ich‘s rauschen:
„Du fändest Ruhe dort!“

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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4 Antworten zu Aus dem Schartkästchen

  1. flotterblogger schreibt:

    Auch wenn ich den Text nur las, die Melodie dazu stellte sich von allein ein 🙂

    • hildegardlewi schreibt:

      Gedichte sindm offensichtlih weitgehend aus der Mode gekommen. Aber ich bin von Kindheit an immer mit welchen aufgewachsen und in der Familie wurde diese Unterhaltung in Ehren gehalten. LG und viel Vergnügen. ❤ LeLwi

      • flotterblogger schreibt:

        Ich erinnere mich spontan an den Film: „Dangerous Minds – Wilde Gedanken“ mit Michelle Pfeiffer. Sie verkörperte darin eine Lehrerin, die es fertig brachte, resignierte Jugendliche mit Gedichten aus dem Tal zu reißen, damit sie ihr Leben wieder in die Hand nahmen. Ein wunderbarer einprägsamer Film, den ich bis heute nicht vergessen habe.
        LG Ostseemaus

      • hildegardlewi schreibt:

        Liebe Ostseemaus, leider kenne ich diesen Film nicht, aber ich kann mir vorstellen, daß er auf viele junge Menschen großen Eindruck gemacht hat. Es ist ja nicht eindach für die Jugend, wenn sie leinen Halt hat und sich ohne Hilfe entfalten wii oder muß.

        Das Leben ist eines der schwersten – sage ich immer. Für viele ohne Halt und ohne Hilfe.

        LG Hildegard

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