Du blickst ja so versonnen……

„Was ist mir dir, du schaust ja so vernagelt.
Ist die Petersilie dir vielleicht verhagelt?
Ist deine Frau dir etwa weggelaufen?
Fehlt das Geld, ein neues Auto dir zu kaufen?
So kenne ich dich gar nicht, so bedeppert!
Hast du dir die Chemisette bekleckert?

Was starrst du so verdattert in dein Glas?
Ich mach mir ernsthaft Sorgen! Hast du was?
Kann ich dir helfen? Bist du etwa krank?
Nein. Nicht! Na prima! Gott sei Dank!
Du wirkst auf mich entsetzlich depressiv.
Was läuft bei dir denn nun so schief?“

„Sie kommen! Sie kommen in der Nacht!
Sie haben alles mir bereits kaputt gemacht.
Zerstört, zertrampelt. Ich halte es nicht aus:
eines Tages sind sie auch bei mir im Haus!
Den Nachbarn haben sie bereits vertrieben.
Der ist bei seinen Kindern nun geblieben.

Sie erobern Meter nun für Meter unser Land.
Es zu akzeptieren weigert sich ja der Verstand.
Wir flüchten, müssen alles hier verlassen.
Das ist für mich besonders schwer zu fassen!
Frau und Kinder sind bereits in Sicherheit.
Ich haue auch ab. Es wird höchste Zeit!“

„Das ist ja wirklich einfach nicht zu glauben!.
Nie konnte etwas dir die Ruhe rauben!
Stets warst du standhaft wie der Fels im Meer!
Mein Gott, wo kommen deine Ängste her?
Wer sind die Feinde, die dich so erschrecken;
die dich bedrohen und: was sie bezwecken?“

„Sie kommen wieder! Bald! Die wüsten Horden!
Am liebsten würde ich sie Reihe um ermorden!
Ich bin ja gegen diese Bande hilflos wie ein Kind,
Ach, wo die Tage voller Frieden nur geblieben sind!“
„Ich mach’ mir wirklich große Sorgen, alter Knabe!
Ganz ungewöhnlich ist dein ängstliches Gehabe.

Ein Kerl wie du, und nun so jammernd in der Küche.
Heul’ nicht so rum; laß lieber ab paar saft’ge Flüche.
Wer sollte dich bedrängen, und wieso, warum?
Die Geschichte ist ja sehr verworren. Wirklich dumm,
Du warst doch immer ein gestand’ner Mann!
Weshalb – woher jetzt der Verfolgungswahn?“

„ja hast du es denn nicht vernommen….?
Die Wildschweine – sie kommen !!!!!!!!!

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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