Der See ist tief, das Wasser kalt….

Der See ist tief, das Wasser kalt,
der Wald ringsum ist ziemlich finster,
man sieht nur manchmal Glockenblumen
und hin und wieder auch mal Ginster
Am schmalen Ufer liegen Sand und Steine
und eine Menge abgebrochne Äste.
Wenn du dort lang gehst, hebe deine Beine
und halt dich besser irgendwo dran feste.

Im tiefen See, ganz unten auf dem Grunde
erzählt die Sage, hält seit über hundert Jahren
ein Wassergeist gefangen eine schöne Jungfrau,
und ihren Namen hat noch nie jemand erfahren.
Mal taucht sie auf für wenige Sekunden
und sucht das Ufer ab nach einem Freier.
Bisher war aber leider niemals einer da.
Jahrein – jahraus die gleiche Leier.

Ein junger Mann vernahm von der Geschichte
und wißbegierig klären wollte er die Angelegenheit.
Er fand, die Sache war nun lang genug ein Rätsel,
für Aufklärung wär’s also jetzt die höchste Zeit.
Das mußte man nun wirklich anerkennen,
ein mutiger Bursche, und gänzlich ohne Furscht,
Er wollte nur ergründen, was aus dem Wasser kam,
ob Jungfrau oder Wassergeist, es war im völlig Wurscht

So saß er oftmals stundenlang und starrte
ganz konzentriert mit aufmerksamen Blicken
auf’s dunkle Wasser, das sich kaum bewegte.
Es schmerzte ihn auch schon der Rücken .
und ab und zu schlief eins von seinen Beinen ein
(das war kein Wunder). Er verlor beinah die Lust,
die Bienen summten ihm auch um die Ohren rum,
und fast erfolglos kämpfte er nun gegen Frust.

An einem späten Nachmittag, s’ war Juli,
wurd’ es ihm langweilig, er döste vor sich hin;
die Sonne sank schon immer, immer tiefer,
gleich fiel se ganz und gar ins Wasser rin.
Da rauscht es plötzlich und die Fluten teilen sich,
und aus dem Wasser steigt, was nie zuvor gesehen.
Das Haar zerzaust, bedeckt mit Algen und mit Schlick.
Er hofft, E S würd’ gleich wieder untergehen.

Es geht nicht unter, nein, es blubbert nur
und Wasser rinnt aus allen seinen Fetzen,
es raunt: „ was machst du denn so spät noch hier.
Los, hau jetzt ab, ich will mich bißchen setzen.“
Nun ist der erste Schreck schon überstanden,
es funktioniert ja bestens die Verständigung.
und Sitzgelegenheiten sind doch auch vorhanden.
So langsam kommt die Sache schon in Schwung.

„Wer bist du?“ fragt der Bursche nun zur Klärung
der sehr dubiosen, wirren Angelegenheit .
Er wollt’ den Tatbestand ja unbedingt ergründen,
und dazu war doch jetzt die beste Zeit.
„Weshalb willst du das denn nun alles wissen,
wen geht’s was an, und wozu wär’ es gut ?
Ich werde meinen Namen nicht verraten.
Auch dir nicht, doch bekomm’ nicht gleich die Wut.“

Die Wasserfrau mit den verfilzten Haaren,
der grauen Haut, den Runzeln und dem müden Blick
stand auf und schlich hinweg sich durch die Bäume
und sah auch nicht ein einz’ges Mal zurück.
Man hörte nur, wie es im Dickicht leise raunte:
– Wer fragt mich – wer fragt, wer ich sei –
Keiner darf es erfahren, und niemand darf’s wissen
ich bin die schöne Marei – ich bin die schöne Marei

Der junge Mann war leider etwas eingenickt,
er rieb verwundert seine Augen, sah sich um.
Weit und breit war auch nichts mehr zu sehen,
und selbst die Bäume blieben alle stumm.
Kein Windhauch rührte sich, die Abendsonne
tauchte alles in ein märchenhaftes Licht.
Und neben ihm war’s feucht, Tang, Muscheln, Algen –
geträumt hat er das alles also nicht-

„Wir leben ja in wirklich aufgeklärten Zeiten,
da kann man uns mit Mumpitz nicht erschrecken.
Wer soll an solchen faulen Zauber glauben,
damit kann keinen Horror man erwecken.
Sich ab und zu mal etwas gruseln – ach, naja,
doch nicht vor aufgeweichten Wasserfrauen.
Ich werde das Geheimnis schon noch lüften,
ich laß mich doch nicht in die Pfanne hauen.“

Er nahm sein Fahrrad und fuhr in die „Alte Mühle“,
da standen unter der Kastanie schön gedeckte Tische,
die Kellner rannten sehr geschäftig hin und her
denn eine Menge Gäste aßen dort gegrillte Fische.
(Kaum steht irgendwo ein Tisch,
schon kommt der Kellner mit dem Fisch).
Der junge Mann aß tüchtig und trank Bier,
er dachte fast nicht mehr an das erlebte,
– er wollt’ nachhause, wollte schlafen.
An seinem Fahrradsattel aber klebte
ein Zettel: Gleiche Stelle morgen um drei.
Und sei bitte pünktlich.
Die schöne Marei

Das ist ja wirklich kaum zu glauben
und kann ja fast nicht möglich sein,
um einen richtigen Mann zu finden
fällt Frauen wirklich sonst was ein.
Das war des Mühlenwirts Susanne,
es hat ihr wohl viel Spaß gemacht;
von der laß ich mich nicht veräppeln.
Ich geh’ jetzt schlafen, Gute Nacht

Und kann ich sie nicht gebrauchen
werde ich sie untertauchen……

Er dreht sich um und schläft gleich ein,
dann schnarrcht er wie ein Wasserschwein…..

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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