Das klappt einfach nicht bei jedem

Es dunkelt schon. Die Mutter spricht
zu ihrem Kind: mach an das Licht.
Das Kind drückt auf den Schalter schnell,
jedoch es wird und wird nicht hell.
Die Mutter greift sich an die Stirne
und denkt: das ist bestimmt die Birne.

Die Mutter spricht zu ihrem Knaben:
Schau nach, ob wir noch eine haben.
Eine Glühlampe mit sechzig Watt.
(Weil man ja meistens Vorrat hat).
Die Mutter aber leider irrt sich:
s’ ist nur noch eine da mit vierzig….

Nun denn, dann nehmen wir halt die,
sonnst wird’s ja heller heute nie.
Reich mir dieselbe, ich werd’ schrauben.
Nun wollen wir an Wunder glauben,
drum drücke wieder auf den Schalter.
Ja, Pech gehabt – s’ bleibt finster, Walter.

Was machen wir, such ein paar Kerzen.
Mir ist zumute nicht nach Scherzen.
Auf einmal wird mir endlich klar,
wie finster doch die Steinzeit war.
Zünde die Kerze an, denn es ist spät.
S’wird Zeit, daß uns ein Licht aufgeht.

Rufe den Nachbarn, denn der kann es;
Heimwerker ist doch der Johannes.
Er wird uns helfen, glaube mir.
Wir wohnen schließlich Tür an Tür.
„Eigener Herd ist Goldes wert“,
ein guter Nachbar nicht verkehrt.

So frag’ ihn, ob er kommen könnte.
(Bezieht er eigentlich schon Rente)?
Johannes ist stets froh und heiter.
Mit Handwerkzeug und kleiner Leiter
erscheint er plötzlich auf der Schwelle:
„Gleich ha’m wa es, ganz auf die Schnelle.“

Er schraubt und werkelt, und er spricht:
mein Junge, mach’ mal an das Licht!
Vergeblich knipst der Knabe Walter
nun ständig an und aus den Schalter.
Jetzt ist auch ohne Rat Johannes.
Er dachte: kein Problem, ich kann es.

Doch plötzlich merkt er: ich kann’s nicht.
Trotz knipsen geht nicht an das Licht!
Nun ist er nicht mehr ganz so heiter,
nimmt Werkzeugkasten und die Leiter,
verläßt enttäuscht die finst’re Stätte.
(Heut geh ich zeitig mal ins Bette)

faßt er aus Frust gleich den Entschluß.
Denn diese Niederlage macht Verdruß.
Ratlos sind Mutter nun und Sohn,
es wird doch immer später schon.
Es ist ja beinah’ finstre Nacht;
die Lampe ist nicht angemacht.

Der Igor ist der Freund von Trude,
und hockt ihr ständig auf der Bude.
Die sind ein Paar, da könnt’ ich wetten.
Da knarren öfter nachts die Betten.
Zur Not könnt’ man ihn ja mal fragen:
er könnt’ vielleicht ’nen Ausweg sagen.

Der Igor kommt sofort. Ein kluger Mann.
Kaum tritt er ein, geht schon die Lampe an.
Ein großes Kunststück ist ihm da geglückt:
er hat die Sicherung nur mal reingedrückt.
Die Mutter spricht: Das ist ein schlauer Fuchs!

(Kein Wunder): EX ORIENTE LUX

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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