Das Märchen vom Reichtum und der Noth

Bei Adolf Glasbrenner gefunden:

Das Mährchen vom Reichthum und der Noth 1843

(Ich verzichte mal auf die alte Schreibweise)

War einmal Bruder und Schwester:
der Reichtum und die Not;
er schwelgte in tausend Genüssen,
sie hatte kaum trockenes Brot.

Die Schwester diente beim Bruder
viel hundert Jahre lang;
ihn rührt es nicht, wenn sie weinte
noch wenn sie ihr Leiden besang.

Er fluchte und trat sie mit Füßen,
er schlug ihr ins sanfte Gesicht;
sie fiel auf die Erde und flehte:
hilfst Du, oh Gott, mir denn nicht?

Wie wird das Lied wohl enden?
Das ist ein traurig Lied!
Ich will‘s nicht weiter hören,
wenn nichts für die Schwester geschieht!

Das ist das Ende vom Liede,
vom Reichtum und der Not:
an einem schönen Morgen
schlug sie ihren Bruder tot.

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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