Pantoffelhelden

Wenn der Herr Karl, der Prokurist
abends nach Haus gekommen ist,
war er hungrig und er wollte essen.
Nie hatte Else, seine Frau, vergessen,
nur zu kochen, was ihm schmeckte.
Und liebevoll den Tisch sie deckte.
Nach die Suppe dann ein Gläschen Wein;
etwas Nachtisch mußte es zuweilen sein.
Was sie kochte hatte ihm ja stets geschmeckt;
er hätte manchmal sich die Finger abgeleckt.
Doch wenn sie fragte: hast du gut gegessen?
Gab er zur Antwort: „na, man konnt’ es essen…..“

Dann las er Zeitung, um sich zu informieren
und Politik und Weltgeschichte zu studieren.
„Gibt es was Neues?“ fragte Else ab und an
dann auch mal wißbegierig ihren Ehemann.
„Frag ’nicht so dumm; das sind doch Männersachen.
Du könntest jetzt mal lieber einen Kaffee machen…!“
Und bat in selt‘ nen Fällen sie mitunter:
„Ach Liebster, bitte nimm den Müll mit runter“
tat er so, als könne er im Augenblick nicht hören,
weil ein Geräusch im Innenohr ihn würde stören.

Herr Karl legte auch Wert auf blank geputzte Schuhe,
und machte er den Mittagschlaf, auf absolute Ruhe.
Gut ausgebürstet sollte auch sein Anzug sein. Das ist
das mindeste, was man verlangen kann als Prokurist.
Wollt sich Frau Else unterhalten „Ja, was ist denn nun;
hast du in deiner Küche denn nichts mehr zu tun?“
Oh doch, sie hat. – Sie holt die Pfanne, blankgeputzt,
weil sie dieselbe äußerst selten bisher nur genutzt.

Sie schwingt die Pfanne nun mit ungeahnter Kraft,
sie hätte es wahrscheinlich auch geschafft,
einen Ochsen einfach so zu Fall zu bringen.
Herr Karl kann nun ein Liedchen davon singen.

Man hatte ihm im Krankenhaus den Kopf verbunden;
er liegt zur Zeit im Koma, schon seit ein paar Stunden.
„Die Beule ist beachtlich. Wie konnte das geschehen?
Bisher habe Ähnliches ich noch nicht gesehen!“-
Der Doktor sagt:“Man muß den Hintergrund erhellen.
Sonst kann man eine Diagnose ja nicht stellen!“

„Die Pfanne fiel mir von der Wand,
da hielt ich sie mit einer Hand.
Für eine Hand war sie zu schwer,
da mußten beide Hände her.
Die Arme fiel‘n mir plötzlich mit der Pfanne runter.
Ach so! Bedauerlicherweise lag Karls Kopf daruner!“

L E W I

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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