Wohnungslos

Nun, das war im letzten Winter,
da kam einer, der hieß,Günther
und sah ganz manierlich aus.
Ausgezogen von zu Haus,.
wo seine Frau ihn schnell entsorgte,
weil er sich stets Frauen borgte,
die woanders hingehörten
und die Ehe merklich störten.

Traurig saß er an der Bar.
Fuhr mit den Fingern durch sein Haar
und schüttelte sein müdes Haupt;
denn er hatte nicht geglaubt,
wie schnell es geht, fliegt man zu Haus
mit Sack und Pack im Bogen raus.
Den Schmerz wollt er mit Alkohol vertreiben.
Die Bar macht zu. Hier konnte er nicht,bleiben.

Die Serviererin, die blonde Catherine,
schaut auf Günther mit ‘ner sorgenvollen Mine.
Wie sollte sie auch sonst schon schauen.
Mitleidsvoll sind doch die meisten Frauen,
wenn ein Mann hilflos und ungerecht behandelt,
sofort sie zur Beschützerin sich wandelt.
Sie bietet Obdach ihm verschämt bei sich zu Haus.
(„Das trifft sich gut. Ich zieh‘so schnell nicht aus.“)

Der Günther dem Cathrinchen auf der Tasche lag.
Er ließ sich rundum gut versorgen, Tag für Tag,
war sicher, daß er nun für lange Zeit hier wohne
und lebte freudig nun das Leben einer Drohne.
Verlangte Arbeit man, auch nur für ein paar Stunden,
so hat er dies als grobe Zumutung empfunden.
Da rief Cathrinchen eines Tages ihren Bruder an,
ob er sie von dem Günther nicht befreien kann.

Wie Männer sind, mitunter ja geborene Befreier,
besuchte er Cathrinchen anläßlich einer Feier
und schmiß den Günther gleich in Bausch und Bogen raus.
Da sah‘der Günther wieder ganz verwundert aus.
Die Schlechtigkeit der Welt und die der Frauen,
die hatte ihn schon öfter mächtig umgehauen.
Was noch sein Eigen, er zusammen raffte,
und es zu seiner lieben Ehefrau nun schaffte.

Wie Frauen nun mal sind, (die dummenDinger)
wickelt man sie gleich doch um den Finger
erzählt man nur ein bißchen was von Liebe
und wo man ohne diese wohl im Leben bliebe.
Besonders Männer brauchten sie in hohem Maße.
„Nimm mich zurück, sonst schlaf ich auf derStraße!“
Und mitleidsvoll soll ja der Mensch auch sein.
Drum sagt die Ehefrau zu ihm:“Na dann komm rein.“

Nachdem sich Günther wieder fest hat etabliert,
ist weder er noch seine Ehefrau kuriert.
Sie beide schlauer nicht geworden sind.

Das Gedicht deshalb bei Strophe eins erneut beginnt….

LEWI

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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