Wo ein Wilhelm ist, ist auch ein Weg

Im Erdgeschoß, da wohnte Trudi.
Sie hatte es mit einem, der hieß Rudi.
Der Rudi trank sehr gerne eine Molle.
Dann bekam er sich mit Trudi in die Wolle,
weil die nicht gerne sah, wenn er so trank
und noch dazu nach Bier und Fusel stank.
Dann schrie Trudi „Du, ich mach jetzt Schluß,
weil ich endlich mich von dir erholen muß!“

Beinahe wurde es ein echtes Drama,
doch Gott sei Dank, im Hause ha ma
den Wilhelm, der stets hilfsbereit zur Stelle
und Retter in der Not für viele Fälle.
Der holte Rudi zeitig aus der Kneipe ab.
Gemeinsam kamen sie im Zuckeltrab
dann rechtzeitig nachhause mit Gesang,
und Trudi nahm den Rudi in Empfang.

Der Wilhelm hatte immer einen guten Rat,
ganz gleich, wofür man den nun nötig hat.
Ja, man konnte wirklich beinah sagen:
keine Sorge, Wilhelm hilft in allen Lebenslagen.
Der Luisa kam der Bräutigam abhanden,
den sie suchten und ihn dann nicht wieder fanden.
Doch Wilhelm, der Beherzte, fand die Spur
und vermasselte dem Flüchtigen die Tour.

Im Zweiten, Mitte links bei der Marlene,
(die lebte halt nicht allzu gern alleene)
nahm der Hausfreund überstürzt Reißaus,
denn der Ehemann kam viel zu früh nach Haus.
Wilhelm schnappte ihn, und immer schneller
entkam er ungeschoren durch den Heizungskeller.
Die Ordnung war im Hause wieder hergestellt.
Ja, selbst in Ordnung war nun auch die Welt.

Sie sind nur selten, diese Art –Hauswarte-,
eine ausgestorbene, vielgerühmte Sparte.
Selbst auch für ganz extreme Sonderfälle
sind zuverlässig sie und stets sofort zu Stelle.
Wie unser Wilhelm. Es hatte viel geschneit,
und er machte sich natürlich gleich bereit,
um den Schnee zur Seite wegzuräumen.
Das ist allein ein Grund, von ihm zu träumen.

Mit Einkäufen bepackt kam nun Frau Krause
durchgefroren und erschöpft endlich nachhause.
Vor der Haustür blieb sie kurz noch stehen:

„Wo ein Willi ist, ist auch ein Weg.
„das kann man immer wieder sehen!“

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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