Der Mond ist aufgegangen

Der Mond ist aufgegangen

Der Mond ist aufgegangen,
die goldnen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar.,
Der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille
und in der Dämmrung Hülle
so traulich und so hold
als eine stille kammer,
wo ihr des Tages Jammer
verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort atehen?
Er ist nur halb zu sehen
uns ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen,
die wir getrost belachen,
weil unsere Augen sie nicht sehn.

Wir stolze Menschenkinder
sind eitel arme Sünder
und wissen gar nicht viel;
wir spinnen Luftgespinste
und suchen viele Künste
und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, laß dein Heil uns schauen,
auf nichts vergänglich‘s bauen,
nicht Eitelkeit uns freu‘n;
laß und einfältig werden
und vor dir hier auf Erden
wie Kinder fromm und fröhlich sein.

Wollst endlich sonder Grämen
aus dieser Welt uns nehmen
surch einen sanften Rod,
und wenn du uns genommen,
laß uns in Himmel kommen,
du unser Herr und unser Gott.

So legt euch dann, ihr Brüder
in Gottes Namen nieder;
kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott, mit Strafen
und laß uns ruhig schlafen
und unsern kranken Nachbarn auch.

(Matthias Claudius)

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Mamma mia

Mamma mia…

In einer kleinen Pizzeria
bin ich verabredet – mit dia.
Ich war pünktlich da – um via,
doch du bist immer noch nicht – hia.
Mamma mia

Es riecht hier so verführerisch!
Ein Pärchen sitzt am Nebentisch.
Sie schmatzen ganz genießerisch:
sie essen beide Tintenfisch.
Na, das ist heute nichts für mich.

Vor einer Stunde war es via,
und du bist immer noch nicht hia.
Ich bestell’ jetzt noch ein Bia,
länger bleib ich auch nicht hia,
ich habe nun genug von dia!

Ich schau gelangweilt auf die Tüa,
auf einmal stehst du da vor mia
mit großen Tüten aus Papia.
Da denke ich mir: Mamma mia,
schließlich bist du doch noch hia.

„Ich bin halb tot“ sagst du zu mia.
ich kann ja wirklich nichts dafüa!
der Schlußverkauf stand vor der Tüa,
deshalb bin ich so spät erst hia.
Mamma mia

Na gut, nun hab’ ich dich zurück.
Du bist ja doch mein bestes Stück.
Manchmal hat der Mensch ja Glück.
Bei Nichtgefallen Geld zurück.
(Andernfalls denkt man sich bloß:
wie werde ich sie wieder los)

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Der Winter stand schon eine Weile vor der Tür

Der Winter stand schon eine Weile vor der Tür,
nun ist er einfach reingekommen.
Ob’s uns gefällt, oder ob nicht,
davon hat er nicht mal Notiz genommen.
Kommt einfach rein, so ungefragt,
bringt auch noch Kälte mit und Schnee!
Man tritt des Morgens vor die Tür
und rutscht gleich aus. Plumps! Ach herrjeh!

Na ja! Ist noch mal gut gegangen.
Der Winter dauert ja noch eine Weile,
man wird bestimmt noch öfter fallen.
Bis zum Frühjahr ist dann alles wieder heile.
Man kann ja auch die ganze Zeit zuhause,
mit Zeitung, Büchern und so weiter sitzen.
Sich informieren über Politik und Wirtschaft,
und dabei tüchtig das Gemüt erhitzen.

Ob das nun wirklich sich als so erhebend
und so erbaulich könnte wohl erweisen?
Man könnt’ ja einfach in die Südsee,
oder wo’s warm ist, hin verreisen.
Man kann auch mutig einfach sagen:
na gut, der Winter bleibt ja eine Weile hier.
Sorgt nun für Frost und Eis und Schnee.
Er muß ja kommen, kann ja nicht dafür.

Die weiten Felder sind dann zugedeckt
mit einer großen weißen Decke.
Eiszapfen haben sich am Dach gebildet
und hängen dort bis hin zur Ecke.
Der See lädt ein zum Schlittschuhlaufen,
spiegelblank und gänzlich zugefroren,
da haben Groß und Klein nun ihren Spaß,
sind feste eingepackt bis an die Ohren.

Im Frühling ist es schön, wenn die Natur erwacht,
herrlich der Sommer: lang der Tag und kurz die Nacht.
Schön ist der Herbst mit leuchtend bunten Farben.
Der Winter kommt mit klarem Frost. Der weiße Schnee
bedeckt wohl eine zeitlang viele Narben.

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Sie Drei

Die Zwei waerten noch….) Die Drei……….

Am Tisch am Fenster sitzen zwei
und warten. Sonst sind’s drei –
doch einer ist noch nicht gekommen.
(Hat er den falschen Bus genommen)?

Die Tür geht auf. S’ kommt jemand rein.
Man denkt, es könnt’ der Dritte sein.
Jedoch, der Dritte ist es nicht,
der hat ein anderes Gesicht.

Die Zwei bestellen sich ein Alt,
und der Ober bringt’s auch bald;
dann fällt das Warten nicht so schwer.
Doch schon sind die Gläser leer,

und der Dritte fehlt noch immer.
Ach, der Durst wird immer schlimmer.
Ständig öffnet sich die Türe.
Mal komm’ zwei, mal kommen viere,

nur der Dritte kommt noch nicht.
So ein ungetreuer Wicht.
Und die Zwei in ihrem Zorn
ordern Molle nun mit Korn.

„Wo er nur bleibt?“ fragt irritiert
man sich. „Ist was passiert?“
Er weiß genau, daß wir hier warten.
Wir spielen hier doch immer Karten.

„Herr Ober, noch zwei große Bier!“
(Wir sitzen ja noch ewig hier,
da müssen wir auch was verzehren,
sonst könnt’ der Wirt sich noch beschweren).

Die Zwei beschließen selbstvergessen:
jetzt müssen wir was Gutes essen.
„Denk nicht viel nach, nur keine Faxen.
Wir essen jetzt zwei schöne Haxen!“

Gesagt, getan – dazu paar Biere.
Es sind zwar zwei, doch seh’n sie viere,
und zur Verdauung noch nen Klaren.
(Wir wern ma bald nachhause fahren)!

Die Zweie sind schon reichlich breit,
und im Nu vergeht die Zeit.
Sie haben’s übel aufgenommen,
der dritte Mann ist nicht gekommen.

Die Rechnung wird nun präsentiert,
und der Wirt, ganz ungerührt
sagt: „Gute Nacht dann mal bis morgen.
Machen Sie sich keine Sorgen.

Ihr Tisch ist Mittwoch’s frei wie immer,
ist reserviert in unserem Hinterzimmer.
Da können Sie in Ruhe Karten spielen
und nach der Bedienung schielen.“

„Nanu“ sagt Nummer zwei zu eins,
„wir warten hier auf den Karl-Heinz,
doch heut’ ist Dienstag, wird mir klar.“
Was ja nun ein Reinfall war.

Aber: Viel getrunken, gut gegessen,
die Zeit gemütlich abgesessen.
Halb so schlimm. Jetzt ab nach Haus.
“Jetzt schlafen wir erst richtig aus.“

Oft kommt’s anders als gedacht.
Gute Nacht!

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