Altweibersommer

Der Herbst sagt nun zum Sommer: los, hau ab,
ich hab mich jetzt um viele Dinge noch zu sorgen.
Nun pfusch mir bitte nicht ins Handwerk rein.
Wenn’s geht, verschwinde lieber heut als morgen.

Der Sommer sagt zum Herbst: bist du verrückt? Ich bleibe,
die Leute sind an mich und meine Temperatur gewöhnt.
Ich werde wohl noch eine Zeit lang hier verweilen!
Da hat der Herbst nun erst mal wütend aufgestöhnt.

Na warte! Dacht‘ er und bestellte erst mal ein Gewitter.
Das wird dir deine Flausen aus dem Kopf verjagen.
Ich habe vieles vor dem Winter noch zu richten,
das schaffe ich sonst nie in den bemessenen Tagen.
.
Mit kalten Winden, Stürmen, starken Regengüssen,
hat der Herbst sogleich nun seine Stärke demonstriert.
Du bist ja so gemein, maulte aufsässig der Sommer,
denn er ist ja ein Luftikus und hat nicht reagiert.

Dem Herbst tat es nun leid. Ich muß termingerecht
ja dafür sorgen, daß der Winter Einzug halten kann.
Wenn die Natur nicht ordentlich wird vorbereitet,
ja, lieber Sommer, sag mir mal, was ist denn dann?

Der Sommer schlich so traurig eine Weile hin und her.
Er suchte noch nach einem Eckchen. um zu bleiben.
Dem Herbst tat’s leid. Es war ja nicht mit anzuseh’n,
er wollte nicht, er mußte doch den Sommer nun vertreiben.

Ich schenke dir noch drei- vier Tage meiner Zeit,
da kannst du dich noch einmal ordentlich entfalten.
Dann verschwindest du! Das ist ein Geschenk an dich.
Mach’s also gut – ich werde mein Versprechen halten.

Und deshalb gibt es sicher, ganz ohne Frage,
in jedem Herbst fast noch paar schöne Sommertage.

.

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen
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