Kulturerbe

Erst mal kein Herbst – bißchen Heimatkunde

Hans Sachs (kennt ihn einer etwa nicht ?) schrieb „Der Koch mit dem Kranich“,

Hört, zu Florenz ein Ritter saß,
der ein bewährter Weidmann was
und mit dem Federspiel umstrich.
Einst fing er einen Kranich sich
und seinem Koch den anbefahl,
daß er ihn briete zum Abendmahl.
Den Rittersmann und seinen Gästen
bereitete der Koch zum besten
den Kranich, tat Wurzelwerk daran
und briet den feisten Braten dann.
Bald strömte aus der Küch‘ heraus
der Bratenduft durch Gass‘ und Haus.
Indem des Koches Buhlschaft kam
und bat den Koch ohn‘ alle Scham,
einen Kranichschenkel ihr zu schenken
Der sprach: „Da muß der Her mich henken;
geh‘ hin, ich geb‘ kein Stückchen dir.“
Sie sprach: „Versagst du die Bitte mir,
so ist es aus mit dir und mir.“
Da gab er einen Schenkel ihr.
Als man den Kranich trug zu Tisch,
wollt ihn der Herr zerlegen frisch.
Da hat der Kranich nur ein Bein.
leich fordert‘ er den Koch herein
und sagt‘ ihm ernst, daß er erkläre,
wo der eine Schenkel geblieben wäre.
Der Koch vermochte nichts zu sagen
und tät die Augen niederschlagen
und sprach: „Gestrenger Herre mein,
ein Kranich hat doch nur ein Bein.“
Mit Zürnen sprach der Ritter da:
„Meinst du, daß ich noch keinen sah?“
Der Koch beschwor, es wäre wahr,
er wollt das Ding beweisen klar.
So sprach der Koch aus großen Sorgen.
Der Ritter sprach: „Das sollst du morgen!
Wenn du das nicht beweisen tust,
am nächsten Baum du hängen must..“
Im Schlaf des Nachts dem Koche ward,
ihm bangt‘, der Herr bestraft ihn hart.-
Früh ritten sie zu einem See,
wo Kraniche man traf von je.
Als sie dem Wasser kamen nah,
zwölf Kraniche wohl der Koch ersah;
ein jeder stand auf einem Bein.
Die zeigt er gleich dem Herren sein.
Und sprach:“Jetzt seht die Wahrheit an!“
Der Herr lief dicht an sie heran,
hob auf die Hand und schrie: „hu, hu!“
und schreckte sie aus ihrer Ruh.
Schnell zog ein jeder noch herhvor
ein Bein und noch die Flucht erkor.
“Wer hat nun recht?“ so sprach der Ritter
Da sprach der Koch und schluchzte bitter:
„Herr, hättet gestern ihr gemacht
auch einen solchen Lärm, hervorgebracht
hätt auch der Braten ein zweites Bein,
des dürft ihr festl versichert sein.
Ihr seht, es ist nicht meine Schuld.“
Durch dieses Wort erlangt er Huld;
der Herr mußt seiner einfach lachen.
So wird oft Scherz aus ernsten Sachen,
wo man erst füchtet, das erwachs‘
Unheil daraus, so spricht Hans Sachs.

Hans Sachs

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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